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Beitrag: Blog2_Post

Ein nie versandter Brief an verlorene Freunde

Aktualisiert: 9. Jan.


Liebe …


Ich habe keine Ahnung, wie es euch geht. Praktisch niemanden von euch habe ich die letzten zwei Jahre gehört oder gesehen.


Mir ist bewusst, dass viele von euch diesen Text nicht lesen werden. Und auch, dass ich von den meisten keine Antwort erhalten werde. Aus verschiedenen Gründen.

Das Schreiben hat mir immer viel bedeutet. Und seit bald zwei Jahren ist es wieder ins Zentrum gerückt.


Ihr seid oder wart Freunde. Gute Freunde, oder Kollegen.


Ich bin absolut nicht daran interessiert, jemanden von euch zu verurteilen oder anzugreifen. Und es geht mir auch nicht um Schuld. Es geht mir um Fragen.


Wahrscheinlich empfindet ihr meine Haltung als extrem.


Ich weiss nicht, wieviele Tränen ich um all die verlorenen Freundschaften vergossen habe.


Ich erinnere mich noch so gut an diesen einen Tag im April 2020, als ich möglichst viele von euch angerufen habe, um mich mit euch über die Situation zu unterhalten. Das war ein Tag nach dem ausgerufenen Lockdown.

Abends sass ich in der Küche und weinte.


Ich weiss nicht, ob ihr euch vorstellen könnt, wie man sich fühlt, wenn man mit seinen Gedanken und Sorgen auf weiter Flur allein da steht. Ich habe mich wohl tausend Mal gefragt, ob ich verrückt geworden bin.


Und innert kürzester Zeit wurde ich als Verschwörungstheoretikerin, als egoistisch, als rechtsradikal, als esoterisch und als Idiotin abgestempelt. Nicht von euch. Von den Medien.

Keiner von euch hat mich jemals so genannt.

Ich habe einfach nichts mehr von euch gehört. Und ihr nichts von mir.


Aber ich habe mich aufgerappelt und neue Freunde gefunden. Niemand ist ersetzbar. Das ist mir klar. Und es gibt immer noch Tage, da vermisse ich einige von euch. Sehr sogar. Aber so ist leider das Leben. Und so wie ihr nicht mehr mit mir sprecht, so spreche auch ich nicht mehr mit euch.

Es geht mir nicht um Schuld. Ich stelle bloss fest, dass dies Tatsache ist. Und ich frage mich, und auch Euch, warum es so weit kommen musste.


Umso dankbarer bin ich, dass all diese neuen Menschen in mein Leben getreten sind.

Es ist ein kunterbunter Haufen von Menschen allen Alters. Menschen wie ihr es seid und ich es bin.

Menschen die sich unterstützen und sich sorgen. Menschen, die sich eine gute Zukunft für uns alle wünschen.


Wie sehr habe ich mir damals im April gewünscht, einfach den Blickwinkel wechseln zu können. Ich habe es versucht, aber es ist mir nie gelungen. Ich hatte einfach Fragen. Tausend Fragen. Und ich bin ein neugieriger Mensch.

Ich habe mich also selber auf den Weg gemacht und nach Antworten gesucht.


Ich will hier niemanden von meiner Haltung überzeugen. Diesen Versuch habe ich innert zwei Monaten aufgegeben.

Ich habe mich zu oft gestritten, mir zu viele Beleidigungen anhören müssen und zu viele solche ausgesprochen.


Meine Familie war Gott sei Dank da, und das hat vieles erleichtert.


Ich schreibe euch heute, weil ich Fragen habe. Auf die ich ganz ernsthaft keine Antworten erwarte. Aber formulieren möchte ich sie trotzdem.


Denkt ihr wirklich, dass ich und Menschen wie ich dies alles aus Rücksichtslosigkeit und Egoismus tun? Dass wir uns nicht impfen lassen, um euch das Leben schwer zu machen?

Dass wir an Demos gehen, um euch zu verspotten und die Opfer zu verhöhnen?


War ich jemals so ein Mensch?


Könnt ihr euch vorstellen, dass wir, wie ihr auch, viele gute, und wohl überlegte Gründe haben, uns nicht zu impfen?

Ich bin keine Impfgegnerin. Ich bin gegen diese eine Impfung.


Und ich mache mir Sorgen um meine Mitmenschen und um unsere Kinder. Genauso wie ihr es tut.

Aus anderen Gründen. Aber sie wiegen nicht weniger schwer.

Und seit wann gilt nur noch die eine Sorge als die einzige Wahre? Seit wann haben all die Anderen keine Berechtigung mehr?

Ich darf meine Sorgen und Ängste nicht mehr öffentlich äussern ohne als Schwurblerin gebrandmarkt und medial zerrissen zu werden.


Denkt ihr, ich habe mir das ausgesucht? Und das sei leicht?


Ihr kanntet mich. Also wisst ihr auch, dass ich mit dieser Situation gewiss nicht glücklich bin.

Ich werde mich nicht impfen lassen. Auch wenn ich, so wie dies das demokratische Land Österreich nun vormacht, die Wohnung nicht mehr verlassen darf.

Ich gäbe eher mein Leben.


Denkt ihr, dass ich so etwas sagen würde, wenn es mir nicht bitterernst wäre? Wenn ich nicht ganz reale Sorgen hätte?

Denkt ihr, wir verhassten und verpönten Schwurbler tun dies wirklich alles nur zum Trotz?


In meinem Umfeld habe ich einige Wissenschaftler, Menschen in medizinischen Berufen, Juristen, und viele andere kluge Köpfe.

Interessiert es euch denn nicht, wer all diese Menschen sind?

Ist es leichter, sie alle in einen grossen Topf zu werfen und einen Stempel drauf zu machen?


Wieso findet kein Diskurs zwischen uns statt? Wie weit werden wir gehen? Ist es denn wirklich in Ordnung, landesweit alle Ungeimpften in ihre Wohnungen zu sperren?


Und wenn das nicht hilft? Was tun wir dann?


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