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Beitrag: Blog2_Post

Urlaub im Südtirol, Teil 1


1.

Wir urlauben im Sommer regelmässig im Südtirol, in einem kleinen Kaff namens Obereggen, direkt unter den Dolomiten. Hier treffen wir uns gerne mit der Familie B. aus Hamburg. Die sind Gott sei Dank bei Verstand geblieben und haben viel Humor. Abgesehen davon, dass die Eltern überaus begeisterte Wanderer sind, was sich schlecht mit unserem Reitprogramm vereinbaren lässt, verstehen wir uns prächtig.


Gelegentlich verfallen Frau B. und ich dem Tratschen und Lästern. Aber das lässt sich hier irgendwie schlecht vermeiden.


Die Hälfte des Personals wurde seit unserem letzten Aufenthalt ausgetauscht.


An der Bar steht nun an der Stelle des jungen Barkeepers meist eine ältere Dame, die Merkel so unglaublich ähnlich sieht, dass wir sie Angie getauft haben.

Wir haben den starken Verdacht, dass es tatsächlich Angie ist, die hier ein Praktikum absolviert, um nach ihrer endlosen Kanzlerschaft im Südtirol abzutauchen.


Sie bemüht sich redlich, ist allerdings langsam und schnell überfordert, insbesondere wenn es um Longdrinks und um aussergewöhnliche Zutaten wie Gurken geht.

Gerne kommt dann statt Tonic Water

Bitter Lemon in den Gin. Oder es steht plötzlich eine ganze Schale mit geschälten Gurkenscheiben mit auf dem Tisch. Auch Zucchini haben bereits ihren Weg in mein Glas gefunden. Wir nehmen ihr das selbstverständlich nicht übel, sondern reagieren mit Verständnis und Geduld. Amüsiert sind wir aber schon.


Im Speisesaal sitzt eine italienische Familie mit zwei kleinen Jungs und einem sehr kleinen Mädchen am Nebentisch. Von Ruhe kann man da nicht sprechen. Meist schlafen der eine Junge und das Mädchen auch bereits während des Abendessens ein. Der Junge tat dies gestern mit einem so lauten und anhaltenden Schnarchen, dass Frau B., die eine schlechte Sicht auf das Geschehen hat, sich irgendwann umdrehte und mich fragte, ob hier irgendwo ein Gummiboot aufgeblasen würde.


Essen tut man in unserem Hotel eine Ewigkeit. Um 19 Uhr sitzt man am Tisch und wenn man Glück hat, bekommt man um 21 Uhr das Dessert.

All diese Gänge überfordern mich schon immer, zumal eine Zutat hier nicht so bekannt zu sein scheint. Das Salz. Wir nehmen nun neu einen Salzstreuer mit, da aus den hier bereit gestellten Streuern eher weniger als wenig heraus rieselt.

Wenn wir jeweils zurück in der Schweiz sind, vergessen wir allerdings nach ein paar Wochen wieder, was für eine Herausforderung dieses Abendessen immer ist, und reservieren mit Begeisterung erneut für das nächste Jahr.


Die beiden hier anwesenden Mediziner reisen morgen Gott sei Dank ab. Seit ich ihr meine Impfverweigerung mitgeteilt habe, meidet mich die Arztgattin aber sowieso wie die Pest.

Allerdings habe ich von ihrem erstaunlich netten, fast erwachsenen Sohn erfahren, dass der Herr Papa seit ihrer Ankunft total erkältet ist. Ich war etwas verwundert, denn ich sah ihn täglich im Speisesaal, in der Bar oder sonst wo im Hotel umherirren.

Mich dünkt es durchaus merkwürdig, dass man als Arzt erwartet, dass sich alle diese Impfung verabreichen, es aber nicht als notwendig erachtet, andere vor seinen eigenen Erkältungsviren zu schützen.

Trotz oder gerade dank all den komischen kleinen Geschichten und Begebenheiten, von denen es noch viele mehr gibt, habe ich mich unterdessen wunderbar entspannen können und geniesse die nächste Woche in aller Ruhe. Und mit reichlich Gin Tonic.


2.

In unserem Hotel sind vorwiegend Deutsche einquartiert. Die scheinen mittlerweile alle so traumatisiert, dass sie nur noch FFP2 Masken tragen. Auch ihre teils noch sehr kleinen Kinder rennen damit herum. Ich spreche hier von Kindern zwischen 3 und 5 Jahren.

Wenn man denen beim Buffet etwas zu nahe kommt, erntet man bitterböse Blicke.


Am Wochenende gab es einen grossen Wechsel. Es sind gefühlt mindestens 100 neue Familien mit mindestens 1000 Kleinkindern angereist. Und die sitzen auch alle im Essbereich von Familie B. und uns.

Wir sind schon ganz erschöpft. Der Lärm ist grausam. Überall wird geschimpft und geschrien. Und das von 19 bis 21 Uhr.


Hinter Familie B. sitzt jetzt eine Familie mit zwei kleinen Jungs. Der ältere heisst Lars und schlägt gerne mal seinen Papa. Der kleine trägt den Namen Björn und trägt tagtäglich ein frisches und korrekt beschriftetes Lätzchen.


Einen Tisch weiter speist eine weitere Familie mit zwei Jungs. Max und Mati. Max und Matis Eltern sind mein ganz persönlicher Albtraum. Der Papa hat, so wirkt er, sein ganzes Leben lang bei seiner Mama verbracht. Bis seine Ehefrau aufgetaucht ist und die Stelle von Muttern eingenommen hat. Aufrecht sitzt sie am Tisch und verspeist edel und gesittet alle salzarmen Speisen. Der Papa unterhält mit seinem Organ den ganzen Speisesaal. Er ist ein furchtbar fröhlicher und unglaublich motivierter Mensch, der seine Sätze gerne drei mal wiederholt und immer so klingt, als würde es jeden Moment Geschenke vom Himmel regnen.


Leider haben Max und Mati mit ihren Eltern das Zimmer neben uns bezogen. Da ihr Fenster zum Badezimmer auf unseren Balkon hinausgeht, habe ich nun nicht einmal mehr dort meinen Frieden. Da sass ich heute morgen, mit Kaffee und Zigaretten bewaffnet, und wollte in Ruhe die Aussicht geniessen. Stattdessen hörte ich dem Papa zu, wie er sein Geschäft erledigte, duschte, sang und seine Familie beschallte. Ich rauchte absichtlich viel, blies gelegentlich etwas Qualm durch den Fensterspalt und sprach ganz laut mit meiner Tochter, aber er liess sich nicht beirren und machte auch keine Anstalten, das Fenster zu schliessen.


Über uns lebt nun jemand, der des Nachts sein Zimmer umstellt. Da wird geschoben und gerüttelt. Und das stundenlang.

Eine Plage!


Unsere Angie bemüht sich nach wie vor. Sie versucht hartnäckig, sich unsere Zimmernummern einzuprägen, kann aber nur eine im Kopf behalten und bucht daher immer alle Drinks auf Familie B.

Setzen darf man sich in ihrer Bar erst, wenn die Tische desinfiziert sind. Da ist die Gute sehr penibel und streng. Neulich hat sie mich empört verscheucht, als ich einen ungeputzten Tisch in Beschlag nahm.

Abends, wenn wir da sitzen und sie gerade Zeit hat, kommt sie auch gerne mal vorbei und fragt mit lauter Stimme in militärischem Tonfall: alles klar bei Euch?

Ich bin jeweils kurz davor, zu salutieren und mit: Yes, Mam! zu antworten.


Das Reiten macht natürlich grosse Freude! Ich bekomme täglich dieselbe Haflingerstute namens Renate, genannt Rena. Sie hat ihren eigenen Kopf und ich diskutiere anfangs immer etwas mit ihr, bis sie dann das tut, was ich gerne von ihr möchte.


Ansonsten faulenze ich glücklich vor mich hin, tratsche mit Frau B. und trinke Unmengen von Latte Macchiato.


A presto!

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