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Beitrag: Blog2_Post

Badeferien

Aktualisiert: 15. Juli 2023

Aus dem Tagebuch eines Kaisers, 22. Aug. 2021


1 Badeferien

Es könnte ja sein, dass Unsere teutonischen Freunde vielleicht einmal per Zufall mit Seiner Majestät in Badeferien eine billige Absteige teilen: Falls ihr auch diese äusserst solidarische Eigenschaft auszuleben gedenkt, seid euch gewahr, dass Wir - zumindest früher - meistens knapp nach der Zeit, wenn ihr die Liegestühle reserviert, also bei Sonnenaufgang, mit überbordend angeheiterter Laune heimtorkeln und gewöhnlicherweise erstmal euren armen, ganz alleingelassenen Tüchern Wasserballet beibringen, dann das halbe Buffet leerräumen, eventuell dabei noch fröhlich irgend eine Elvis Presley Schnulze schmettern, den ganzen Laden zwecks Dämonenaustreibung ausräuchern (falls Wir die feste Nahrung schon halten können) und dann ohne eine Unterlage auf dem schönsten Liegestuhl bis zum Mittagessen ein bisschen zu meditieren gedenken - den Seinen gibts der Herr im Schlaf - und dabei in Jumbo Lautstärke schnarchen, um euch vor wilden Tieren zu beschützen, falls Wir nicht von einem hysterischen Gezeter geweckt werden, was dann aber ernsthaft zu Todesfällen führen könnte.



2 Badeferien, zweiter Teil

(Fortsetzung, Vorsicht, langes prosaisches Meisterwerk folgt) Aber meistens lässt ja so ein schleimiger Animateur dieses Lied unten laufen und will Uns entweder zu Altersturnen mit der Adams Family, einem wunderbaren Willkommensdrink oder zu einer völlig überteuerten Busfahrt mit schlafschafenden Paarhufern, augenscheinlich direkt aus dem Sanatorium, einladen, während der man Uns Heizdeckchen, Ferienhäuser oder nette Nippesfigürchen andrehen will, bevor man eine Minute dreissig Zeit hat, 7 Museen, 3 Megalithbauten, ein köstlich einheimisches Mittagessen in aller Ruhe zu absolvieren, während Klimakterien bei jedem faden Spruch des Reiseführers in hysterisches Gegacker ausbrechen. Bleibt man aber einfach liegen oder will gar einmal so ein seltenes Medium wie ein Buch verinnerlichen und sich in die Geschichte hineinleben, kommt alle 5 min ein Masseur, der Kokosmann oder fünf spanische Familien mit Hörproblemen und zahllosen schreienden Kinder, welche es sich genau rund um Seine Majestät, auch wenn es meilenweit Plätze hätte. Noch schöner ist es natürlich mit einer Partnerin, welche man dauernd einölen muss, welche einen alle 2 Sekunden auf irgendeine Belanglosigkeit hinweist. Aber man weiss, schenkt man keine Aufmerksamkeit, droht die Alte mit dem verfickten Poolboy rumzumachen, ach, was sagen wir, mit der gesamten Belegschaft. Möchte man dann direkt weiter die sensationell angepriesenen, aber alle exakt gleich magenbrennenden gratis "local drink specialities" in den Kopf leeren, um möglichst flauschig zu bleiben, ist das nicht immer eine gute Idee, denn Männer, seid euch gewahr: obwohl sie sonst mit Mathematik nichts am Hut hat, wird sie sich peinlich genau die exakte Uhrzeit und jedes alkoholische Gesöff merken und sobald man wirklich fröhlich wird, jedes konsumierte Tröpfchen gegen euch verwenden, mantramässig, euch ein derart schlechtes Gewissen einjagen, dass man ihr schlussendlich als Wiedergutmachung und mit einsetzendem Kater erlaubt, nein, sie inständig bittet, mit den 20 durchtrainierten und braungebrannten Chippendales, zu welchen sie schon während eures Sekundenschlafes physischen Kontakt aufgenommen hatte, also eigentlich schon gestern Nacht, während ihr kurz auf dem Thron sasset, ("Kann ich etwas dafür, wenn du mich dauernd alleine lässt! Nein, sie gefallen mir überhaupt nicht, schon wieder bist du so eifersüchtig, immer") auf eine 4-tägige Bootstour zu gehen, weil sie ja auf einmal Interesse an Schnorcheln zeigt. Nein, leider ist jetzt genau kein Platz auf dem Schiff mehr für euch frei, aber man kann seiner Dulcinea doch diese einmalige Chance, endlich einmal Seegurken und sonstige Meeresfrüchtchen, für welche sie sich natürlich schon zeit ihres Lebens brennend interessierte, nicht nehmen und hilft ihr, ihre schönsten Stringtangas auszuwählen, bevor sie auf einmal blendend gelaunt mit den Adonis verduftet. "Sind ja nur 4 Tage, Bärchen, vielleicht auch vierzehn, du weisst doch, dass ich nicht so gut griechisch kann... Geniesse es, aber wehe du sprichst mit der weiblichen Bedienung!" Kaum ist sie weg und man selbst erschöpft im riesigen Hotelbett, kommt die Raumpflegerin, die mit den Wasserflaschen, neun Handwerker, und eine Horde Mücken, welche einem alle befehlen, man solle einfach weiterschlafen, no problem, no problem, während 2 auf deinem Bett stehen und lauthals versuchen, den Ventilator, den unsere Allerwerteste vor einer Woche als kaputt bemängelt hatte, zu reparieren, was natürlich nur mit vereinten Kräften und gebrüllten Anweisungen an den Lehrling, welcher auf dem Parkplatz wartet, zu machen ist. Freundlich erkundigen sie sich, wo denn Unsere belissima Schwester - oder Tochter? - sei, während die anderen vergnügt kichern und miteinander über Uns tuscheln, zwar in einer Fremdsprache, aber so unmissverständlich, dass jeder versteht, dass sich um Lobhudeleien handeln muss.


Den Rest Unserer Ferien verbringen Wir auf einem stickigen Polizeiposten, weil wahrscheinlich einer der Handwerker all' Unsere Papiere mitsamt Laptop und Smartphone einem neuen Besitzer zugeführt hat. Früher, als man noch ungeimpft und ungetestet an solche Traumdestinationen reisen durfte, war das Leben eben echt noch bezaubernd, sinnieren Wir an Unserem Schreibtisch zu Hause gerade ein wenig melancholisch, während Wir wehmütig die Heizdecke auf Unseren Knien streicheln. Doch wenn Wir genug sparen, können Wir Uns das sicher wieder einmal leisten. Vielleicht schaffen Wir es auch, Unser Schätzchen zu besuchen, welche gerade mit dem einen Chippendale auf einer Südseeinsel einen Tantramassagekurs besucht, wie sie Uns liebevoll mittels einer Postkarte mitteilt, "nur für dich, Bärchen", mit der winzigen Bitte, ihr doch eine genügende Summe Geld zu schicken, weil sie ja ausser ihrem Tanga, diesem neckischen


sadomaso Halsbändchen, welches Uns doch immer so scharf machte und den allerwichtigsten Kosmetika ja nichts mitgenommen habe. Wir schliessen für einen Moment die Augen und träumen von den wunderbaren Ferien, welche sich für einmal wirklich gelohnt hatten,... bevor Wir den Schlüsseldienst anrufen um sämtliche Schlösser auswechseln zu lassen, eine wunderbare Seele aus allen Speichermedien löschen und Uns eine neue Identität erstellen lassen, während Wir im Garten ihren geliebten Hamster nach chilenischem Rezept braten. Bevor ihr jetzt falsch von Uns denkt: natürlich würden Wir sowas nie machen... zumindest nicht, b


evor Wir dem debilen Pudel ihrer Erzeugerin einen stylischen blonden Irokesen rasiert hätten, falls Wir dieses bissige Vieh, welches Uns noch die letzten Haare vom Haupte frisst, überhaupt erwischen könnten und ihrer herzkranken Mutter Fotobeweise davon geschickt hatten. Die Ehefrau ihres Chefs hatten Wir schon einmal aufrichtig aufgeklärt, dass sie sich jetzt keine Sorgen mehr um ihren Mann machen müsse, da seine aufreizende Assistentin jetzt endgültig die Schnauze voll von diesem impotenten Schlappschwanz habe, derweil die 2500 Mitarbeiter und nur die engsten 300 Freunde und Verwandten von ihr als kleines Abschiedsgeschenk einige anregende Selfies von ihr im Adamskostüm beim Beckenbodentraining mit dieser Magnumflasche Dom Perignon in ihrem Allerw... So, nein, stopp jetzt! Seine Majestät ist ja heute vielleicht wieder ein Plappermäulchen. Diese ständigen sozialen Kontakte mit Menschen schaden einfach Unserer Erziehung; schämt euch! Man bringe Uns eine Türe, Wir wollen gehen!




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